JTL Service Partner Gold · Ahrensfelde bei Berlin · 15. Januar 2026 · 22 Min. Lesezeit
Gewährleistungslabel & Garantielabel: Was JTL-Shop-Händler seit dem 27. September 2026 zeigen müssen
Seit dem 27. September 2026 gilt eine neue EU-Pflicht, die jeden B2C-Online-Shop betrifft: keine Ausnahme für Betriebsgröße, Umsatz oder Branche. Seit diesem Tag müssen Händler ein EU-harmonisiertes Gewährleistungslabel anzeigen, und wer Herstellergarantien von mehr als zwei Jahren bewirbt, zusätzlich das sogenannte GARAN-Etikett. Rechtsgrundlage ist die Durchführungsverordnung (EU) 2025/1960, die seit dem 2. Oktober 2025 im EU-Amtsblatt steht. Unmittelbar anwendbares EU-Recht, keine nationale Umsetzung erforderlich.
Weißt du schon, welche Labels du ab September zeigen musst? Und ob du mit bestehenden Garantiehinweisen heute schon ein Abmahnrisiko trägst?
Dieser Beitrag klärt die drei Schichten: gesetzliche Gewährleistung, Garantie nach §479 BGB und die neue Label-Pflicht seit 27.09.2026. Seit dem 26. August 2026 gibt es dazu auch eine technische Antwort — JTL-Shop 5.8.0 bringt beide Label nativ mit. Wie du sie einschaltest, steht weiter unten und ausführlich in unserem Beitrag zum Release 5.8.0.

Kurz beantwortet: Welche Label-Pflicht gilt seit dem 27. September 2026?
Seit dem 27. September 2026 muss jeder Online-Shop, der an Verbraucher in der EU verkauft, vor der Bestellung die harmonisierte EU-Mitteilung zur gesetzlichen Gewährleistung farbig zeigen. Das ist das Gewährleistungslabel. Gewährt der Hersteller für die gesamte Ware eine kostenlose Haltbarkeitsgarantie von mehr als zwei Jahren, kommt das Garantielabel hinzu; bei genau zwei Jahren entfällt es. Rechtsgrundlage ist die Durchführungsverordnung (EU) 2025/1960. Die Vorlagen dafür stellt die EU-Kommission als Vektordateien bereit. Reine B2B-Shops mit echter Zugangssperre sind nicht betroffen. In JTL-Shop bringt Version 5.8.0 beide Label mit, ältere Versionen brauchen dafür ein Update.
Auf einen Blick
- ✓Die EU-Gewährleistungs-Mitteilung ist seit dem 27. September 2026 für alle B2C-Online-Händler Pflicht. Für JTL-Shop gibt es die Funktion nativ seit 5.8.0, veröffentlicht am 26. August 2026 — wer noch auf einem älteren Stand läuft, braucht also ein Update, bevor die Pflicht greift.
- ✓Wer heute Garantien bewirbt (z.B. „2 Jahre Herstellergarantie“ auf der Produktseite), trägt bereits ein Abmahnrisiko nach §479 BGB. Der Bundesgerichtshof hat 2022 klargestellt, wann die Pflichtangaben greifen (Az. I ZR 241/19).
- ✓Rein B2B-Shops mit echtem Zugangsgating sind von der Label-Pflicht ausgenommen; wer aber auch Verbraucher beliefert, muss die Labels für alle Transaktionen einblenden.
- ✓Auch digitale Inhalte und digitale Dienstleistungen brauchen kein Label: Art. 22a Abs. 1 der Verbraucherrechterichtlinie verweist für die Label-Pflicht nur auf Art. 5 Abs. 1 Buchst. e und Art. 6 Abs. 1 Buchst. l, nicht auf die für digitale Produkte eingefügten Buchstaben eb und lb (Richtlinie (EU) 2024/825). Das entbindet dich aber nicht von den Informationspflichten selbst — ein Hinweis auf die gesetzlichen Mängelrechte bleibt dort geschuldet, nur eben ohne Label. Wer Waren und digitale Produkte im selben Shop verkauft, braucht die Labels für den Warenteil. Stand: 7. September 2026.
Gewährleistung, Garantie und Garantieerklärung sind drei rechtlich vollständig getrennte Konzepte — mit unterschiedlichen Konsequenzen ab 2026. In unseren JTL-Shop-Onboarding-Audits ordnen Händler regelmäßig mindestens eine dieser drei Schichten falsch ein. Die häufigste Verwechslung: Garantie-Werbung ohne die fünf Pflichtangaben nach §479 BGB — ein bereits heute abmahnfähiger Verstoß gegen §3a UWG (BGH I ZR 241/19, 10.11.2022). Dieser Beitrag legt die begriffliche Grundlage und klärt, was seit dem 27. September 2026 zusätzlich gilt — bevor die technische Umsetzung in JTL-Shop folgt.
Die drei Rechtsschichten, die du kennen musst
Gewährleistung, Garantie und die neue Label-Pflicht seit 27.09.2026 sind drei rechtlich vollständig separate Konzepte. Wer sie verwechselt, riskiert entweder unnötigen Aufwand oder übersieht ein echtes Compliance-Problem. Die Vlarom E-Commerce Agentur fasst die drei Schichten zusammen:
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Schicht 1 — Gesetzliche Gewährleistung (§§ 434, 437, 438, 476, 477 BGB)
Die gesetzliche Gewährleistung entsteht bei jedem B2C-Kaufvertrag automatisch. Du als Händler kannst sie im Verbrauchergeschäft nicht zum Nachteil des Verbrauchers abbedingen (§ 476 Abs. 1 BGB). Bei einem Sachmangel (§ 434 BGB) hat der Käufer das Recht auf Nacherfüllung, Rücktritt, Preisminderung oder Schadensersatz (§ 437 BGB). Die Verjährungsfrist beträgt zwei Jahre ab Lieferung (§ 438 BGB). Die vollständigen Gesetzestexte zu diesen Paragrafen sind auf gesetze-im-internet.de abrufbar.
Seit dem 1. Januar 2022 gilt die verlängerte Beweislastumkehr: Bei Verbrauchsgüterkäufen wird ein Jahr lang vermutet, dass ein aufgetretener Mangel bereits zum Übergabezeitpunkt bestand; du musst als Händler das Gegenteil beweisen (§ 477 Abs. 1 BGB). Vor der Kaufrechtsreform waren es sechs Monate. Bei Waren mit digitalen Elementen und vereinbarter dauerhafter Bereitstellung gilt die Vermutung zwei Jahre (§ 477 Abs. 2 BGB). Das ist eine der Änderungen, die viele JTL-Shop-Händler noch nicht vollständig auf dem Schirm haben. Mit der Anzeige des Gewährleistungslabels hat diese Frist übrigens nichts zu tun: Das Label nennt die Mindestdauer von zwei Jahren und ist für alle Artikel identisch, während die Beweislastumkehr eine Frage des Einzelfalls bleibt.
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Schicht 2 — Garantie als freiwillige Zusage (§§ 443, 479 BGB)
Eine Garantie ist keine gesetzliche Pflicht, sondern eine freiwillige Zusage des Verkäufers oder Herstellers, im Fall einer Abweichung von beschriebenen Eigenschaften bestimmte Leistungen zu erbringen (§ 443 BGB). Sobald du aber mit einer Garantie wirbst, greift §479 BGB mit fünf Pflichtangaben: Hinweis auf gesetzliche Käuferrechte und deren Kostenlosigkeit, Name und Anschrift des Garantiegebers, Geltendmachungsverfahren, Warenbeschreibung sowie die konkreten Garantiebedingungen mit Dauer und räumlichem Geltungsbereich.
Der Bundesgerichtshof hat 2022 die Schwelle präzisiert (BGH I ZR 241/19 „Herstellergarantie IV“, 10.11.2022): Die vorvertragliche Informationspflicht zu Garantiebedingungen besteht nur, wenn die Garantie ein zentrales oder entscheidendes Merkmal des Angebots ist. Eine beiläufige Erwähnung löst sie nicht aus. Wer jedoch „3 Jahre Garantie“ im Titel oder in den Bullet Points des Listings führt, bewirbt die Garantie prominent und muss alle §479-Angaben bereitstellen.
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Schicht 3 — Neue Label-Pflicht seit 27.09.2026 (DVO (EU) 2025/1960)
Diese Schicht ist neu und von den beiden obigen vollständig unabhängig. Die Durchführungsverordnung (EU) 2025/1960 verpflichtet alle B2C-Online-Händler seit dem 27. September 2026 zur Anzeige eines EU-harmonisierten Gewährleistungslabels. Ohne jede Bedingung, ohne Zentralmerkmal-Schwelle. Jeder Händler, der Waren online an Verbraucher verkauft, muss das Label zeigen. Punkt.
Daneben gilt: Wer Herstellerwaren mit einer kostenlosen Haltbarkeitsgarantie von mehr als zwei Jahren anbietet und der Hersteller entsprechende Informationen bereitgestellt hat, muss zusätzlich das GARAN-Etikett produktspezifisch anzeigen. Beide Labels sind in Design und Farbgebung EU-vorgegeben. Eigene Gestaltung ist nicht erlaubt. Die offiziellen deutschen Vorlagen stehen als Anhang I und II der DVO (EU) 2025/1960 im EU-Amtsblatt.
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Was beide Label konkret zeigen
Das EU-Gewährleistungslabel (Anhang I) trägt das blaue Schild mit EU-Sternen und den Text: „GESETZLICHE GEWÄHRLEISTUNG — Mindestens zwei Jahre gesetzliche Gewährleistung der Vertragsmäßigkeit für Waren, die in der Europäischen Union verkauft werden.“ Dazu einen QR-Code, der auf europa.eu/youreurope/garantien verlinkt, sowie zwei Handlungshinweise für Verbraucher. Für Online-Shops ist die Farbversion Pflicht (Anhang I, Erläuterung 5 der DVO (EU) 2025/1960; siehe auch Erwägungsgrund 14).
Das GARAN-Etikett (Anhang II) ist symbol-basiert und weitgehend sprachneutral: Es zeigt das Kürzel „GARAN“, ein Häkchensymbol, ein Kalendersymbol mit der Garantiedauer in Jahren, einen QR-Code sowie am unteren Rand den Ausdruck „Herstellergarantie in Jahren“ in allen EU-Amtssprachen. Die ausfüllbaren Felder sind Garantiedauer, Marke und Modellidentifikation.
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Wie die Labels dargestellt sein müssen
Die DVO (EU) 2025/1960 unterscheidet nicht nach Vertriebskanälen wie Online, E-Mail oder Laden, sondern nach genau zwei Kategorien: „über eine Online-Benutzeroberfläche geschlossene Fernabsatzverträge“ (dein Webshop-Checkout) und alles andere. Für Kategorie 1 muss das Gewährleistungslabel farbig (RGB) sein, eine Mindestgröße schreibt die Verordnung dafür nicht vor. Vorgegeben ist nur, dass der QR-Code „unter normalen Beleuchtungsbedingungen mit einem mobilen Standardgerät“ lesbar bleibt (Anhang I, Erläuterung 3). Für Kategorie 2 (Telefon- und E-Mail-Bestellungen ebenso wie der stationäre Ladenverkauf) ist Farbe (CMYK) oder Schwarz-Weiß zulässig, Mindestgröße DIN A4, größere Formate bis A1 ausdrücklich erlaubt (Anhang I, Erläuterungen 4 und 5).
Für das GARAN-Etikett gilt außerhalb der Online-Benutzeroberfläche eine feste Mindestgröße von 95 × 100 mm. Bei dieser Mindestgröße schreibt die Verordnung sogar die Schriftgrößen vor: 7 pt für die mehrsprachige Angabe, 9 pt für Marke und Modellkennung, 80 pt für die Garantiedauer, jeweils in der Schriftart Inter (Anhang II, Erläuterungen 3 und 6). Für Händler mit stationärem Standbein, etwa eine JTL-POS-Kasse neben dem Online-Shop, heißt das: Ein Aushang im Verkaufsraum muss mindestens diese Maße einhalten, größer ist erlaubt, ein improvisierter Ausdruck im eigenen Layout nicht. Stand: 29. Juli 2026.
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Verschachtelte Anzeige: nur beim GARAN-Label
Ein zusammengeklapptes („nested“) Label ist ausschließlich beim GARAN-Etikett erlaubt, nicht beim Gewährleistungslabel. Erwägungsgrund 14 der DVO (EU) 2025/1960 spricht an dieser Stelle ausdrücklich nur von der „Kennzeichnung“ (das ist die Begrifflichkeit für das GARAN-Label), nicht von der „Mitteilung“ (das ist das Gewährleistungslabel). Anhang II zeigt das eingeklappte Format zusätzlich als Abbildung. Für Anhang I, das Gewährleistungslabel, existiert keine entsprechende Regel, weder im Verordnungstext noch in den Erwägungsgründen.
Bei geschachtelter Anzeige gilt eine Zusatzregel: Das GARAN-Label muss „beim ersten Mausklick, beim ersten Maus-Rollover bzw. beim ersten Berühren oder Aufziehen auf einem Touchscreen vollständig erscheinen“ (Anhang II der DVO). Für das Gewährleistungslabel sieht die Verordnung diese Möglichkeit nicht vor. Wer es hinter einem Akkordeon oder Tooltip einklappt, kann sich dafür auf keine Regelung berufen.
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Die Anzeige im Shop reicht nicht: die Bestellbestätigung gehört dazu
Diese Pflicht wird leicht übersehen, weil sie nicht im Verordnungstext steht, sondern im deutschen Recht entsteht. § 312f Abs. 2 BGB verlangt bei Fernabsatzverträgen eine Vertragsbestätigung auf einem dauerhaften Datenträger, und Satz 2 verweist pauschal auf „die in Artikel 246a des Einführungsgesetzes zum Bürgerlichen Gesetzbuche genannten Angaben“. Genau dieser Artikel 246a § 1 EGBGB hat zum 27. September 2026 zwei neue Nummern bekommen: Nr. 11 für die Gewährleistungsmitteilung nach Anhang I und Nr. 11a für das GARAN-Label nach Anhang II, jeweils „in hervorgehobener Weise unter Verwendung der harmonisierten Mitteilung“ (Beschlussempfehlung des Rechtsausschusses, Bundestags-Drucksache 21/3345 vom 17.12.2025, Artikel 3 Nr. 2; Inkrafttreten in Artikel 10 Abs. 3 desselben Gesetzes). Weil der Verweis in § 312f pauschal ist, wandern beide Labels automatisch in den Pflichtinhalt der Bestätigung — am selben Stichtag wie die Anzeigepflicht selbst.
Es gibt eine Rückausnahme: Die Bestätigungspflicht entfällt, wenn du die Information schon vor Vertragsschluss auf einem dauerhaften Datenträger bereitgestellt hast. Nach unserer Einschätzung greift sie beim normalen Shop-Checkout nicht — ein dauerhafter Datenträger muss laut Art. 2 Nr. 10 der Richtlinie 2011/83/EU die unveränderte Wiedergabe ermöglichen, und eine Anzeige auf der Produkt- oder Checkout-Seite speichert nichts beim Kunden und bleibt für dich jederzeit änderbar. Das ist eine Auslegung der Definition, keine wörtliche Norm-Aussage. Praktisch heißt das: plane die Labels in der Bestellbestätigungs-E-Mail oder einem angehängten PDF mit ein. Offen ist dabei, ob die Bestätigung die Label-Grafik selbst tragen muss oder ein textliches Äquivalent genügt — der Wortlaut „unter Verwendung der harmonisierten Mitteilung“ spricht für die Grafik, ausdrücklich geregelt ist es nicht. Stand: 19. August 2026.
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Die technische Umsetzung in JTL-Shop: nativ seit 5.8.0
Seit dem 26. August 2026 bringt JTL-Shop 5.8.0 beide Label mit (Ticket SHOP-9121). Damit ist die Frage nach einer Drittanbieter-Lösung für die meisten Händler erledigt — sie brauchen ein Update, keine Erweiterung. Die Schalter dafür stehen unter Einstellungen, Global, im Abschnitt „Gewährleistung und Garantie-Label“: acht Stück, zwei Hauptschalter und je einer für Artikelliste, Artikelseite, Warenkorb, Bestellübersicht sowie zwei für E-Mails. Wir haben die Funktion am 31. August 2026 in einem eigenen Testshop nachgemessen, und dort standen nach dem Update alle acht bereits auf Ja. Ein eigener Aktivierungsschritt ist also meist nicht nötig. Das Gewährleistungslabel liefert JTL als fertige Bilddatei für alle EU-Amtssprachen mit; es hängt an keinem Artikel und erscheint auf einer eigenen Shopseite sowie im letzten Checkout-Schritt.
Das GARAN-Label erzeugt der Shop dagegen pro Artikel, und zwar aus drei Funktionsattributen: jtl_guarantee_years, jtl_guarantee_manufacturer und jtl_guarantee_model_identifier. Alle drei müssen gefüllt sein — fehlt eines, erscheint gar nichts, ohne Fehlermeldung und ohne Hinweis im Backend. Das ist der häufigste Grund dafür, dass Händler nach dem Update kein Label sehen. Gepflegt werden die Attribute in der JTL-Wawi, sonst überschreibt sie der nächste Abgleich. Zwei Punkte solltest du dabei kennen: Die beiden E-Mail-Schalter sind im Auslieferungszustand vertauscht beschriftet, und wer eine der sieben Template-Dateien für die Label-Einbindung im Child überschrieben hat, bekommt den Einbindungspunkt beim Update nicht — das Label fehlt dann lautlos. Welche Dateien das sind und was wir sonst noch gemessen haben, steht im Beitrag zum JTL-Shop-5.8.0-Release. Eine JTL-Dokumentation zu dieser Funktion gibt es bislang nicht. Stand: 31. August 2026.
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Was die native Umsetzung rechtlich nicht abnimmt
Ein Update erledigt die Anzeige, nicht die Rechtslage. Drei Punkte bleiben in deiner Verantwortung, und keiner davon wird durch 5.8.0 gelöst. Erstens die Bestellbestätigung: Beide Label gehören seit dem 27. September 2026 zum Pflichtinhalt der Vertragsbestätigung. Der Shop bringt dafür zwar zwei E-Mail-Schalter mit, ob deine E-Mail-Vorlagen sie an der richtigen Stelle ausspielen, musst du prüfen. Zweitens die Garantie-Werbung nach §479 BGB: Wer Garantien bewirbt, schuldet die fünf Pflichtangaben unabhängig von jedem Label.
Drittens die Frage, ob eine Garantie überhaupt vorliegt. Das GARAN-Label erscheint nur dort, wo du die drei Attribute pflegst — der Shop weiß von sich aus nichts über Herstellergarantien. Welche deiner Artikel eine kostenlose Haltbarkeitsgarantie von mehr als zwei Jahren tragen und ob der Hersteller die nötigen Informationen bereitgestellt hat, bleibt eine Aufgabe der Stammdatenpflege. Ein Hinweis noch zum QR-Code: Er ist Teil der EU-Vorlage und im Label-Bild enthalten, nicht als anklickbarer Link umgesetzt und nicht artikelspezifisch. Wer erwartet, dass der Shop daraus eine produktbezogene Verlinkung baut, erwartet etwas, das die Verordnung gar nicht verlangt.
Der häufige Irrtum: „Der BGH-Leitsatz schützt mich auch vor der Label-Pflicht“
Seit der BGH-Entscheidung I ZR 241/19 hört man von Händlern oft den Schluss: „Solange ich die Garantie nicht als zentrales Merkmal bewerbe, bin ich auf der sicheren Seite.“ Das stimmt für die bestehende §479-Werbungspflicht, aber es ist ein gefährlicher Kurzschluss im Blick auf 2026.
Achtung: Der BGH-Leitsatz zur „zentralen Merkmals“-Schwelle gilt nur für die vorvertragliche Informationspflicht nach §479 BGB im Kontext der Garantie-Werbung. Er hat keinen Einfluss auf die neue, bedingungslose Label-Pflicht der DVO (EU) 2025/1960.
Die Illusion
Die falsche Annahme
„Ich bewirbe die Herstellergarantie nicht prominent, also muss ich ab 2026 kein Label zeigen.“ Das Gewährleistungslabel (Anhang I) ist für jeden B2C-Online-Händler Pflicht, unabhängig davon, ob überhaupt Garantien im Sortiment bestehen. Es geht dort ausschließlich um die gesetzliche Gewährleistung, nicht um eine Garantie.
Die Realität
Die tatsächliche Rechtslage
Seit dem 27. September 2026 gilt: Das EU-Gewährleistungslabel muss auf der Online-Benutzeroberfläche sichtbar sein, bevor der Verbraucher seine Vertragserklärung abgibt. Keine Ausnahme. Das GARAN-Etikett kommt hinzu, sobald der Hersteller eine Haltbarkeitsgarantie von mehr als zwei Jahren gewährt und darüber Informationen bereitstellt. Händler müssen nicht aktiv recherchieren, ob eine Garantie existiert, aber wenn sie eine bewirbt, muss auch das GARAN-Label erscheinen.
Die goldene Regel
Aus der Projektpraxis der Vlarom E-Commerce Agentur: Die technische Frage ist seit dem 26. August 2026 beantwortet, die zeitliche nicht. JTL-Shop 5.8.0 bringt beide Label mit, zwischen Veröffentlichung und Stichtag liegen jedoch nur gut vier Wochen — und in dieser Zeit muss ein Update samt Test durch, nicht nur ein Häkchen gesetzt werden. Wer ein gewachsenes Child-Template einsetzt, plant dafür mehr ein als jemand mit Standard-Template.
Häufige Fragen zu Gewährleistungslabel und Garantielabel für JTL-Shop-Händler
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Hinweis: Dieser Beitrag ist eine technische Orientierungshilfe für JTL-Shop-Händler und ersetzt keine Rechtsberatung. Für die verbindliche Prüfung eurer konkreten Shop-Situation und die rechtssichere Umsetzung empfehlen wir eine auf E-Commerce-Recht spezialisierte Kanzlei oder einen der etablierten Rechtstext-Anbieter wie Händlerbund, IT-Recht Kanzlei oder Trusted Shops.
Ebenfalls 2026 wichtig: die Widerrufsbutton-Pflicht ab 19. Juni. Dazu haben wir ebenfalls einen Praxisbeitrag.
Labels technisch korrekt in deinen JTL-Shop einbinden: wir helfen bei der Umsetzung.
Als JTL Service Partner Gold begleiten wir JTL-Shop-Händler bei technischen Compliance-Anforderungen, von der Wawi-Konfiguration bis zur Template-Anpassung. Die rechtliche Prüfung übernehmen Fachanwälte, die technische Umsetzung übernehmen wir. Ruf uns direkt an unter +49 30 91473862, schreibe an info@vlarom.de oder nutze unser Kontaktformular für eine unverbindliche Ersteinschätzung.
Alexander Luft
JTL Service Partner Gold · Vlarom E-Commerce Agentur · Ahrensfelde bei Berlin

