JTL-Wawi 2.0 einrichten: Schritt für Schritt zur laufenden Umgebung

JTL-Wawi 2.0 ist seit dem 17. März 2026 als Stable Release verfügbar. Es läuft auf .NET 8, bringt eine neue Cloud-Architektur und ändert die Lizenzstruktur seit April 2026 grundlegend. Wer jetzt neu einrichtet, hat die Wahl zwischen vier Tarifen und muss vorab entscheiden, ob die lokale Installation oder der Cloud-Betrieb besser zum eigenen Setup passt.

Du richtest JTL-Wawi zum ersten Mal ein oder wechselst die Infrastruktur und weißt nicht, wo du anfangen sollst?

Diese Anleitung geht die sieben Schritte in der richtigen Reihenfolge durch, von den Systemvoraussetzungen bis zur ersten Datensicherung — die offizielle Reihenfolge dokumentiert JTL im Guide-Kapitel Erste Schritte. Außerdem: welcher Tarif zu welchem Setup passt, wann Cloud sinnvoll ist und welche vier Fehler wir in der Praxis am häufigsten sehen. Wer die Einrichtung lieber komplett übernehmen lassen möchte, statt sie selbst in die Hand zu nehmen, findet auf unserer Seite JTL-Wawi einrichten lassen den richtigen Startpunkt. Diese Anleitung hier ist für alle, die es selbst machen wollen.

JTL-Wawi einrichten Anleitung – Schritt-für-Schritt zur ersten Mandanten-Einrichtung

Auf einen Blick

  • Seit April 2026 gibt es vier Tarife: Start (kostenlos), Advanced (119 Euro/Monat), Pro (369 Euro/Monat), Enterprise (auf Anfrage). WooCommerce- und PrestaShop-Connector sind erst ab Advanced enthalten.
  • Cloud-Betrieb (ecomDATA) ist einfacher zu starten, hat aber keinen SQL-Direktzugriff und ist mit JTL-WMS nur eingeschränkt kompatibel. Lokal gibt volle Kontrolle.
  • JTL-Wawi 2.0 (.NET 8) läuft auf Windows 10+ mit SQL Server 2017, 2019 oder 2022; die Express-Edition ist kostenlos, hat aber eine Datenbankgrenze von 10 GB. Genau daran scheitert auch der häufigste Einrichtungsfehler — daneben: Firewall blockiert den Netzwerkzugriff, Mandant nicht mit dem JTL-Kundenkonto verknüpft, falscher Tarif für den Shop-Connector gewählt.

Wir von Vlarom E-Commerce Agentur richten bei unseren Kunden regelmäßig JTL-Wawi-Umgebungen ein, von kleinen Einzelhändlern mit Start-Tarif bis zu Betrieben mit 50.000+ Artikeln auf lokalen SQL-Servern. Die Fehler, die in dieser Anleitung stehen, haben wir alle selbst behoben. Die offizielle Dokumentation zu den Systemvoraussetzungen liefert das JTL-Guide-Team. Wir ergänzen die Praxis dahinter.

Cloud oder lokal: Was passt zu eurer Situation?

Seit JTL-Wawi 2.0 gibt es einen nativen Cloud-Tunnel. Das macht Cloud-Betrieb technisch einfacher als früher. Das bedeutet aber nicht, dass es für jeden die richtige Wahl ist. Die Entscheidung beeinflusst direkt, was ihr mit WMS, SQL-Abfragen und Automatisierungen später machen könnt.

Kriterium Lokal (eigener Server) Cloud (ecomDATA / JTL-Infrastruktur)
Eigener Server notwendig Ja — Windows-Server oder Workstation Nein — läuft auf JTL-Infrastruktur, Zugang via RDP
SQL-Direktzugriff Ja — volle DB-Kontrolle, SQL-Abfragen, DATEV-Export, eigene Skripte Nein — kein direkter Datenbankzugriff möglich
JTL-WMS kompatibel Ja — direkte Netzwerkverbindung zwischen Scanner und SQL-Server Eingeschränkt — WMS setzt lokale SQL-Verbindung voraus, Cloud-Betrieb erfordert Mehraufwand
Backup-Verantwortung Selbst einrichten — tägliches SQL-Backup empfohlen Automatisch durch JTL
Laufende Extrakosten Einmalige Serverkosten (Kauf oder Miete) plus Wartungsaufwand Monatliche Hosting-Gebühr zusätzlich zur Lizenzgebühr
Empfehlung Ab 4+ Arbeitsplätzen, WMS-Einsatz, SQL-Abfragen oder individuelle Anbindungen 1–3 Arbeitsplätze, kein WMS, kein SQL-Bedarf, kein eigenes IT-Team

Vier Fehler die wir bei der Einrichtung am häufigsten sehen

Nicht die Installation, sondern die Vorbereitung macht den Unterschied. Diese vier Probleme tauchen immer wieder auf, lassen sich aber alle vorab vermeiden.

1

SQL Server Express: 10-GB-Limit nicht bedacht

SQL Server Express ist kostenlos und für den Start geeignet, hat aber eine Datenbankgrößenbeschränkung von 10 GB. Kleine Händler mit 500 Artikeln kommen damit lange aus. Mittelgroße Betriebe mit 20.000+ Artikeln, Auftragsverlauf und Belegarchiv stoßen nach 6–18 Monaten daran.

Laut JTL-Dokumentation empfiehlt sich für produktive Umgebungen die Standard- oder Developer-Edition des SQL Servers. Der Wechsel von Express auf Standard ist möglich, braucht aber ein Wartungsfenster und eine sauber geplante Migration.

2

Firewall blockiert den Netzwerkzugriff vom Client auf den SQL-Server

JTL-Wawi läuft klassisch mit einem zentralen Datenbankserver, auf den alle Clients zugreifen. Wenn die Windows-Firewall auf dem Datenbankserver den TCP-Port 1433 nicht freigibt, verbindet sich kein einziger Client.

Fix: In der Windows-Firewall eine eingehende Regel für TCP 1433 anlegen, den SQL Server Browser-Dienst aktivieren und im SQL Server Configuration Manager TCP/IP unter den Protokollen einschalten. Danach SQL Server-Dienst neu starten.

3

Mandant nicht mit dem JTL-Kundenkonto verknüpft

Ohne aktive Verknüpfung mit dem JTL-Kundenkonto läuft JTL-Wawi nach der Testphase nicht mehr. Die Verknüpfung passiert beim Ersteinrichtungs-Assistenten. Wird er übersprungen oder bricht er ab, bleibt der Mandant unlizenziert.

Fix: Im JTL-Administrator unter Mandantenverwaltung den Mandanten aufrufen und die Verknüpfung mit dem JTL-Kundenkonto manuell nachholen. Dafür braucht ihr die JTL-Kundennummer und das Passwort des Kundencenters.

4

WooCommerce-Connector nicht im gewählten Tarif enthalten

Seit dem 1. April 2026 sind JTL-Connector für WooCommerce und PrestaShop nicht mehr im kostenlosen Start-Tarif enthalten. Händler, die mit Start beginnen und einen Shop-Connector brauchen, stellen das erst beim ersten Verbindungsversuch fest.

Lösung: Vor der Einrichtung prüfen, welche Konnektoren im gewählten Tarif verfügbar sind. WooCommerce- und PrestaShop-Connector sind ab dem Advanced-Tarif (119 Euro/Monat) dabei. Die aktuelle Übersicht findet ihr auf der JTL-Preisseite.

JTL-Wawi einrichten in 7 Schritten

Die reine Installation ist schnell abgeschlossen. Der eigentliche Aufwand liegt in der Konfiguration: korrekte Steuereinstellungen, stimmige Nummernkreise, sauber gepflegte Stammdaten.

Schritt 1: Systemvoraussetzungen prüfen

Datenbankserver und Clients haben unterschiedliche Anforderungen. Für den Datenbankserver: Windows 10 oder Windows Server 2016+ (für Neuinstallationen empfiehlt sich Windows 11 oder Windows Server 2019/2022), SQL Server 2017, 2019 oder 2022. Bei der RAM-Planung orientieren wir uns am Artikelstamm: Bis zu einigen hundert Artikeln und einem Arbeitsplatz reicht die kostenlose SQL Server Express-Edition mit 1 GB RAM. Sobald mehrere tausend Artikel, Auftragshistorie und mehrere gleichzeitige Clients dazukommen, ist die Standard- oder Enterprise-Edition mit mindestens 8 GB RAM Pflicht: SQL Server darf laut JTL-Dokumentation bis zu 80 % des verfügbaren Arbeitsspeichers belegen. Für die Client-Rechner: Windows 10 oder höher, .NET 8 Desktop Runtime (JTL-Wawi 2.0 basiert auf .NET 8, nicht mehr auf dem klassischen .NET Framework), Bildschirmauflösung mindestens 1400×1050. Laufen beide Rollen auf einem Gerät, gelten die jeweils höheren Anforderungen.

Schritt 2: JTL-Kundenkonto anlegen und Tarif wählen

Ohne JTL-Kundenkonto kein Download, keine Lizenz, keine Mandantenverknüpfung. Konto anlegen unter kundencenter.jtl-software.com. Tarife seit April 2026: Start (kostenlos, ohne WooCommerce/PrestaShop-Connector), Advanced (119 Euro/Monat, inkl. Shop-Connectoren), Pro (369 Euro/Monat, erweiterte Funktionen), Enterprise (auf Anfrage). Wer keinen Shop-Connector braucht, kann mit Start beginnen und später upgraden.

Schritt 3: SQL Server installieren

JTL-Wawi speichert alle Daten in einer Microsoft SQL-Datenbank. Falls noch kein SQL Server läuft, zuerst installieren. SQL Server 2017, 2019 oder 2022: die Express-Edition ist kostenlos, aber auf 1 GB RAM, einen physischen Prozessor und 10 GB Datenbankgröße begrenzt. Wann das real zum Problem wird: Ein Artikelstamm mit wenigen hundert Artikeln und einem Arbeitsplatz bleibt oft jahrelang unter der 10-GB-Grenze. Sobald Auftragshistorie, Belegarchiv und ein Artikelstamm ab etwa 20.000 Positionen zusammenkommen, sehen wir in unseren Projekten die Grenze regelmäßig nach 6 bis 18 Monaten erreicht, vor allem bei vielen Variantenkombinationen. Der JTL-Administrator, der die Datenbankverbindung später verwaltet, wird zusammen mit der Wawi installiert und legt die Datenbank beim ersten Start automatisch an.

Schritt 4: JTL-Wawi 2.0 herunterladen und installieren

Den aktuellen Download von JTL-Wawi 2.0 gibt es im JTL-Kundencenter unter Bestellungen und Lizenzen. Das Setup auf dem Datenbankserver ausführen. Der Installer richtet automatisch den JTL-Administrator, die Datenbankstruktur und den ersten Mandanten ein. JTL-Wawi 2.0 setzt .NET 8 voraus. Der Installer prüft das und installiert es bei Bedarf. Auf weiteren Client-Rechnern nur die Wawi-Oberfläche installieren, die dann auf die zentrale Datenbank zugreift.

Schritt 5: Mandanten einrichten und mit dem JTL-Konto verknüpfen

Ein Mandant entspricht einem Unternehmen oder Geschäftsbereich mit eigenen Stammdaten und Belegen. Die meisten Händler starten mit einem Mandanten. Nach der Installation den Ersteinrichtungs-Assistenten vollständig durchlaufen und den Mandanten mit dem JTL-Kundenkonto verknüpfen. Diese Verknüpfung ist für Lizenzierung, Updates und Cloud-Services wie JTL-Archive notwendig. Zwei Grundeinstellungen müssen sofort stimmen, nicht erst später: die Nummernkreise für Rechnungen, Lieferscheine und Bestellungen sowie die Steuereinstellungen (Kleinunternehmerregelung, Umsatzsteuersätze, Auslandsversand). Bei den Nummernkreisen gilt: Einmal vergebene Belegnummern lassen sich aus GoBD-Gründen nicht mehr rückwirkend ändern, ein falsch gesetzter Nummernkreis bedeutet Lücken oder Dopplungen für den Rest des Geschäftsjahres. Wird die Steuereinstellung erst nach den ersten Belegen korrigiert, müssen bereits ausgestellte Rechnungen manuell nachkorrigiert werden. Weitere Grundeinstellungen: Firmendaten, Bankverbindungen, Standard-Lagerort.

Schritt 6: Stammdaten anlegen

Bevor der erste Auftrag durch die Wawi läuft, braucht es mindestens Artikel und Lieferanten. Manuell anlegen oder per JTL-Ameise importieren. Bei Migrationen von anderen Systemen (etwa von Lexware oder plentymarkets) importieren wir die Stammdaten strukturiert per Ameise. Das spart Zeit und reduziert Fehler bei der Datenübergabe.

Schritt 7: Datensicherung einrichten

Das wird oft vergessen und dann bereut. JTL-Wawi bietet einen integrierten Backup-Mechanismus, der sich im JTL-Administrator konfigurieren lässt. Laut JTL-Dokumentation empfiehlt sich, die Option Vor dem Backup Indizes reorganisieren und neu erstellen zu aktivieren. Das sorgt für sauberere Backups. Standardmäßig liegt der Backup-Ordner unter C:\Programme\Microsoft SQL Server\Instanz\Backup. Für Produktivumgebungen einen externen Speicherort oder ein NAS einrichten. Aus unserer Projektpraxis: Ein tägliches Vollbackup außerhalb der Geschäftszeiten ist das Minimum, bei hohem Auftragsvolumen ergänzen wir das um stündliche Transaktionslog-Backups. Genauso wichtig wie das Backup selbst ist der Restore-Test. Ohne einen erfolgreich getesteten Restore auf einer Testumgebung ist ein Backup nur eine unbestätigte Annahme. Ein regelmäßiger Restore-Test, in der Praxis meist quartalsweise, gehört deshalb fest zum Konzept.

Häufige Fragen: JTL-Wawi einrichten

Seit April 2026 gibt es Start (kostenlos, ohne Shop-Connectoren), Advanced (119 Euro/Monat, inkl. WooCommerce- und PrestaShop-Connector), Pro (369 Euro/Monat, erweiterte Funktionen für größere Betriebe) und Enterprise (individuelle Konditionen auf Anfrage). Wer einen JTL-Connector zu einem Shopsystem braucht, muss mindestens Advanced buchen. Die aktuellen Leistungsumfänge stehen auf der JTL-Preisseite.
Ja, Windows 10 erfüllt die Mindestanforderung laut JTL-Dokumentation. Allerdings verliert Windows 10 im Oktober 2025 den Microsoft-Support. Für Neuinstallationen empfiehlt sich Windows 11 oder Windows Server 2019/2022, um zukünftige Kompatibilitätsprobleme zu vermeiden.
JTL hat den Cloud-Tunnel v1 (für Wawi 1.x) im Juni 2026 abgeschaltet. Händler auf Wawi 1.x verlieren damit den Zugang zu JTL-Archive, Returnless und anderen Cloud-Apps. Wawi 2.0 ist seit dem 17. März 2026 als Stable Release verfügbar und nutzt automatisch den neuen Tunnel v2. Wer auf 1.x bleibt, ist aus dem Cloud-Ökosystem ausgesperrt.
JTL-Archive ist JTLs Lösung für die revisionssichere Belegarchivierung nach GoBD. Es läuft als Cloud-Service und ist an Wawi 2.0 gebunden. Für Händler mit Pflicht zur GoBD-konformen Belegaufbewahrung ist es relevant. Derzeit noch in der Beta-Phase. Wer jetzt mit Wawi 2.0 einrichtet, hat die Grundlage dafür schon gesetzt.
Die reine Installation ist schnell erledigt. Der Aufwand für die vollständige Konfiguration (Steuereinstellungen, Nummernkreise, Stammdaten, Backup, Connector-Anbindung) hängt vom Funktionsumfang, der Zahl der angebundenen Konnektoren und dem Datenbestand ab. Bei Migrationen von anderen Systemen kommt die Datenmigration obendrauf. Womit du im Detail rechnen musst, schlüsseln wir im Artikel JTL-Wawi Einrichtungskosten im Detail auf.
Wir berechnen bei der JTL-Wawi-Einrichtung nach Aufwand, typisch sind ca. 120 Euro netto pro Stunde. Die Gesamtkosten hängen davon ab, ob ihr von einem anderen System migriert, wie viele Konnektoren angebunden werden und wie komplex eure Stammdaten sind. Eine detaillierte Aufschlüsselung, wovon der Aufwand im Einzelnen abhängt, findet ihr in unserem Artikel JTL-Wawi Einrichtungskosten im Detail. Eine Einschätzung für euer Setup geben wir kostenlos, meldet euch direkt bei uns.

JTL Service Partner Gold

Einrichtung von Anfang an richtig aufsetzen

Wer JTL-Wawi neu einrichtet und dabei einen erfahrenen Partner an der Seite haben möchte, ist bei uns richtig. Wir begleiten die Einrichtung von den Systemvoraussetzungen bis zum laufenden Betrieb und geben eine ehrliche Einschätzung, welcher Tarif und welche Infrastruktur zu eurem Setup passen. Für Händler aus der Region: Wir sind JTL Service Partner in Brandenburg und Berlin und vor Ort erreichbar. Ruf uns an unter +49 30 91473862, schreib an info@vlarom.de oder nutze das Kontaktformular.

AL

Alexander Luft

JTL Service Partner Gold · Vlarom — JTL Service Partner Gold · Ahrensfelde bei Berlin