
Auf einen Blick
- ✓Seit April 2026 gibt es vier Tarife: Start (kostenlos), Advanced (119 Euro/Monat), Pro (369 Euro/Monat), Enterprise (auf Anfrage). WooCommerce- und PrestaShop-Connector sind erst ab Advanced enthalten.
- ✓Cloud-Betrieb (ecomDATA) ist einfacher zu starten, hat aber keinen SQL-Direktzugriff und ist mit JTL-WMS nur eingeschränkt kompatibel. Lokal gibt volle Kontrolle.
- ✓JTL-Wawi 2.0 (.NET 8) läuft auf Windows 10+ mit SQL Server 2017, 2019 oder 2022; die Express-Edition ist kostenlos, hat aber eine Datenbankgrenze von 10 GB. Genau daran scheitert auch der häufigste Einrichtungsfehler — daneben: Firewall blockiert den Netzwerkzugriff, Mandant nicht mit dem JTL-Kundenkonto verknüpft, falscher Tarif für den Shop-Connector gewählt.
Wir von Vlarom E-Commerce Agentur richten bei unseren Kunden regelmäßig JTL-Wawi-Umgebungen ein, von kleinen Einzelhändlern mit Start-Tarif bis zu Betrieben mit 50.000+ Artikeln auf lokalen SQL-Servern. Die Fehler, die in dieser Anleitung stehen, haben wir alle selbst behoben. Die offizielle Dokumentation zu den Systemvoraussetzungen liefert das JTL-Guide-Team. Wir ergänzen die Praxis dahinter.
Cloud oder lokal: Was passt zu eurer Situation?
Seit JTL-Wawi 2.0 gibt es einen nativen Cloud-Tunnel. Das macht Cloud-Betrieb technisch einfacher als früher. Das bedeutet aber nicht, dass es für jeden die richtige Wahl ist. Die Entscheidung beeinflusst direkt, was ihr mit WMS, SQL-Abfragen und Automatisierungen später machen könnt.
| Kriterium | Lokal (eigener Server) | Cloud (ecomDATA / JTL-Infrastruktur) |
|---|---|---|
| Eigener Server notwendig | Ja — Windows-Server oder Workstation | Nein — läuft auf JTL-Infrastruktur, Zugang via RDP |
| SQL-Direktzugriff | Ja — volle DB-Kontrolle, SQL-Abfragen, DATEV-Export, eigene Skripte | Nein — kein direkter Datenbankzugriff möglich |
| JTL-WMS kompatibel | Ja — direkte Netzwerkverbindung zwischen Scanner und SQL-Server | Eingeschränkt — WMS setzt lokale SQL-Verbindung voraus, Cloud-Betrieb erfordert Mehraufwand |
| Backup-Verantwortung | Selbst einrichten — tägliches SQL-Backup empfohlen | Automatisch durch JTL |
| Laufende Extrakosten | Einmalige Serverkosten (Kauf oder Miete) plus Wartungsaufwand | Monatliche Hosting-Gebühr zusätzlich zur Lizenzgebühr |
| Empfehlung | Ab 4+ Arbeitsplätzen, WMS-Einsatz, SQL-Abfragen oder individuelle Anbindungen | 1–3 Arbeitsplätze, kein WMS, kein SQL-Bedarf, kein eigenes IT-Team |
Vier Fehler die wir bei der Einrichtung am häufigsten sehen
Nicht die Installation, sondern die Vorbereitung macht den Unterschied. Diese vier Probleme tauchen immer wieder auf, lassen sich aber alle vorab vermeiden.
JTL-Wawi einrichten in 7 Schritten
Die reine Installation ist schnell abgeschlossen. Der eigentliche Aufwand liegt in der Konfiguration: korrekte Steuereinstellungen, stimmige Nummernkreise, sauber gepflegte Stammdaten.
Schritt 1: Systemvoraussetzungen prüfen
Datenbankserver und Clients haben unterschiedliche Anforderungen. Für den Datenbankserver: Windows 10 oder Windows Server 2016+ (für Neuinstallationen empfiehlt sich Windows 11 oder Windows Server 2019/2022), SQL Server 2017, 2019 oder 2022. Bei der RAM-Planung orientieren wir uns am Artikelstamm: Bis zu einigen hundert Artikeln und einem Arbeitsplatz reicht die kostenlose SQL Server Express-Edition mit 1 GB RAM. Sobald mehrere tausend Artikel, Auftragshistorie und mehrere gleichzeitige Clients dazukommen, ist die Standard- oder Enterprise-Edition mit mindestens 8 GB RAM Pflicht: SQL Server darf laut JTL-Dokumentation bis zu 80 % des verfügbaren Arbeitsspeichers belegen. Für die Client-Rechner: Windows 10 oder höher, .NET 8 Desktop Runtime (JTL-Wawi 2.0 basiert auf .NET 8, nicht mehr auf dem klassischen .NET Framework), Bildschirmauflösung mindestens 1400×1050. Laufen beide Rollen auf einem Gerät, gelten die jeweils höheren Anforderungen.
Schritt 2: JTL-Kundenkonto anlegen und Tarif wählen
Ohne JTL-Kundenkonto kein Download, keine Lizenz, keine Mandantenverknüpfung. Konto anlegen unter kundencenter.jtl-software.com. Tarife seit April 2026: Start (kostenlos, ohne WooCommerce/PrestaShop-Connector), Advanced (119 Euro/Monat, inkl. Shop-Connectoren), Pro (369 Euro/Monat, erweiterte Funktionen), Enterprise (auf Anfrage). Wer keinen Shop-Connector braucht, kann mit Start beginnen und später upgraden.
Schritt 3: SQL Server installieren
JTL-Wawi speichert alle Daten in einer Microsoft SQL-Datenbank. Falls noch kein SQL Server läuft, zuerst installieren. SQL Server 2017, 2019 oder 2022: die Express-Edition ist kostenlos, aber auf 1 GB RAM, einen physischen Prozessor und 10 GB Datenbankgröße begrenzt. Wann das real zum Problem wird: Ein Artikelstamm mit wenigen hundert Artikeln und einem Arbeitsplatz bleibt oft jahrelang unter der 10-GB-Grenze. Sobald Auftragshistorie, Belegarchiv und ein Artikelstamm ab etwa 20.000 Positionen zusammenkommen, sehen wir in unseren Projekten die Grenze regelmäßig nach 6 bis 18 Monaten erreicht, vor allem bei vielen Variantenkombinationen. Der JTL-Administrator, der die Datenbankverbindung später verwaltet, wird zusammen mit der Wawi installiert und legt die Datenbank beim ersten Start automatisch an.
Schritt 4: JTL-Wawi 2.0 herunterladen und installieren
Den aktuellen Download von JTL-Wawi 2.0 gibt es im JTL-Kundencenter unter Bestellungen und Lizenzen. Das Setup auf dem Datenbankserver ausführen. Der Installer richtet automatisch den JTL-Administrator, die Datenbankstruktur und den ersten Mandanten ein. JTL-Wawi 2.0 setzt .NET 8 voraus. Der Installer prüft das und installiert es bei Bedarf. Auf weiteren Client-Rechnern nur die Wawi-Oberfläche installieren, die dann auf die zentrale Datenbank zugreift.
Schritt 5: Mandanten einrichten und mit dem JTL-Konto verknüpfen
Ein Mandant entspricht einem Unternehmen oder Geschäftsbereich mit eigenen Stammdaten und Belegen. Die meisten Händler starten mit einem Mandanten. Nach der Installation den Ersteinrichtungs-Assistenten vollständig durchlaufen und den Mandanten mit dem JTL-Kundenkonto verknüpfen. Diese Verknüpfung ist für Lizenzierung, Updates und Cloud-Services wie JTL-Archive notwendig. Zwei Grundeinstellungen müssen sofort stimmen, nicht erst später: die Nummernkreise für Rechnungen, Lieferscheine und Bestellungen sowie die Steuereinstellungen (Kleinunternehmerregelung, Umsatzsteuersätze, Auslandsversand). Bei den Nummernkreisen gilt: Einmal vergebene Belegnummern lassen sich aus GoBD-Gründen nicht mehr rückwirkend ändern, ein falsch gesetzter Nummernkreis bedeutet Lücken oder Dopplungen für den Rest des Geschäftsjahres. Wird die Steuereinstellung erst nach den ersten Belegen korrigiert, müssen bereits ausgestellte Rechnungen manuell nachkorrigiert werden. Weitere Grundeinstellungen: Firmendaten, Bankverbindungen, Standard-Lagerort.
Schritt 6: Stammdaten anlegen
Bevor der erste Auftrag durch die Wawi läuft, braucht es mindestens Artikel und Lieferanten. Manuell anlegen oder per JTL-Ameise importieren. Bei Migrationen von anderen Systemen (etwa von Lexware oder plentymarkets) importieren wir die Stammdaten strukturiert per Ameise. Das spart Zeit und reduziert Fehler bei der Datenübergabe.
Schritt 7: Datensicherung einrichten
Das wird oft vergessen und dann bereut. JTL-Wawi bietet einen integrierten Backup-Mechanismus, der sich im JTL-Administrator konfigurieren lässt. Laut JTL-Dokumentation empfiehlt sich, die Option Vor dem Backup Indizes reorganisieren und neu erstellen zu aktivieren. Das sorgt für sauberere Backups. Standardmäßig liegt der Backup-Ordner unter C:\Programme\Microsoft SQL Server\Instanz\Backup. Für Produktivumgebungen einen externen Speicherort oder ein NAS einrichten. Aus unserer Projektpraxis: Ein tägliches Vollbackup außerhalb der Geschäftszeiten ist das Minimum, bei hohem Auftragsvolumen ergänzen wir das um stündliche Transaktionslog-Backups. Genauso wichtig wie das Backup selbst ist der Restore-Test. Ohne einen erfolgreich getesteten Restore auf einer Testumgebung ist ein Backup nur eine unbestätigte Annahme. Ein regelmäßiger Restore-Test, in der Praxis meist quartalsweise, gehört deshalb fest zum Konzept.
Häufige Fragen: JTL-Wawi einrichten
Alexander Luft
JTL Service Partner Gold · Vlarom — JTL Service Partner Gold · Ahrensfelde bei Berlin

