

Von Alexander Luft · JTL / Einrichtung · April 2026
Auf einen Blick
- ✓ZUGFeRD und XRechnung erfordern in JTL Wawi Vorlagen der Ausgabe 2.0 mit englischen Variablen — ältere Vorlagen funktionieren nicht und die Vlarom-Erfahrung zeigt, dass dieser Punkt bei über der Hälfte aller Einrichtungen übersehen wird.
- ✓Das Ticket WAWI-86919 (Status: Geplant, Stand März 2026) zeigt, dass JTL einen bekannten Versions-Bug in den PDF-XMP-Metadaten noch nicht vollständig behoben hat — bestimmte Validatoren werfen weiterhin Fehler.
- ✓Vlarom prüft bei jedem Kunden die Druckvorlage, den PDF-Anhang-Schalter in der E-Mail-Vorlage und die Steuerkategorie-Felder — drei Stellen, die in der Standarddokumentation kaum erwähnt werden, aber regelmäßig zu fehlerhaften Rechnungen führen.
Eine technisch saubere E-Rechnung ist kein Nice-to-have mehr. Seit dem 01.01.2025 hat eine reine PDF-Rechnung im B2B-Bereich ihren Status als elektronische Rechnung verloren — auch wenn sie per E-Mail versendet wird. Wer ZUGFeRD oder XRechnung nur halbgar eingerichtet hat, schickt im Zweifel rechtlich nicht konforme Rechnungen heraus, ohne es zu merken. Vlarom hat die Einrichtung bei einer ganzen Reihe von Kunden begleitet und die Fehlerquellen sauber dokumentiert.
Was hinter der E-Rechnungspflicht steckt — die wichtigsten Fakten für JTL-Händler
Die E-Rechnungspflicht kam in Stufen. Seit dem 01.01.2025 müssen alle inländischen B2B-Unternehmen E-Rechnungen empfangen können. Ohne Umsatzgrenze, ohne Ausnahme. Die Ausstellungspflicht läuft gestaffelt: Unternehmen mit Jahresumsatz über 800.000 Euro mussten ab 01.01.2025 ausstellen, alle anderen haben bis 31.12.2027 Zeit. Wer JTL Wawi nutzt, hat ZUGFeRD und XRechnung direkt an Bord — aber nur unter bestimmten Voraussetzungen. Die komplette Anleitung steht im JTL-Guide: ZUGFeRD-Rechnungen ausstellen.
Quelle JTL-Guide (guide.jtl-software.com): ZUGFeRD-Rechnungen können in JTL Wawi ab Version 1.11 ausgestellt werden. Voraussetzung ist die Verwendung von Vorlagen der Ausgabe 2.0 — erkennbar an englischen Variablen. Ältere Vorlagen tragen in der Wawi die Endung „(veraltet)“.
Diese drei Punkte entscheiden, ob die Einrichtung sauber funktioniert oder nicht:
- →Wawi-Version: ZUGFeRD-Rechnungen werden ab JTL Wawi 1.11 unterstützt. Wer noch auf 1.9.x oder 1.10.x ist, kann über den alten Weg XRechnung ausgeben — aber der ZUGFeRD-Hybrid-Workflow ist dort nicht vollständig implementiert. Für ZUGFeRD ist Wawi 1.11 die technische Mindestanforderung laut JTL-Guide.
- →Vorlagen-Generation: Nur Vorlagen der Ausgabe 2.0 (englische Variablen) sind ZUGFeRD-kompatibel. Vorlagen der alten Generation 1.0 haben in der Wawi die Kennzeichnung ‚(veraltet)‘ und erzeugen XML-Strukturen, die nicht der aktuellen Norm entsprechen.
- →PDF-Anhang-Schalter: ZUGFeRD-Rechnungen werden nur dann als eingebettetes Hybrid-PDF erzeugt, wenn in der E-Mail-Vorlage die Option ‚Vorlage als PDF-Anhang nutzen‘ aktiv ist. Fehlt dieser Haken, wird lediglich eine einfache PDF-Datei ohne XML-Einbettung erzeugt.
Damit sind die technischen Voraussetzungen für ZUGFeRD in JTL Wawi klar: aktuelle Wawi-Version, richtige Vorlagen-Generation und der korrekte PDF-Anhang-Schalter. Wer diese drei Punkte nicht aktiv geprüft hat, verschickt mit hoher Wahrscheinlichkeit fehlerhafte Rechnungen. Wie die Vorlagen-Bearbeitung im Detail abläuft, zeigt der JTL-Guide unter Druckvorlagen für ZUGFeRD anpassen.
Die zwei häufigsten Fehlerquellen bei ZUGFeRD in JTL Wawi
Aus unseren Einrichtungsprojekten und aus der Auswertung von JTL-Forum und Issue-Tracker schälen sich zwei Fehlertypen heraus, die immer wieder auftauchen:
Was eine sauber eingerichtete E-Rechnung in der Praxis bringt
Die Lektion
Vlarom-Erkenntnis aus der E-Rechnungs-Praxis: ZUGFeRD in JTL Wawi läuft gut — aber nur, wenn drei Punkte aktiv geprüft sind: Vorlagen-Generation, PDF-Anhang-Schalter und der bekannte Versions-Bug im Validator. Wer diese Stellen überspringt, verschickt Rechnungen, die technisch sauber aussehen, beim Steuerberater oder im Buchhaltungssystem aber Fehler erzeugen.
ZUGFeRD in JTL Wawi einrichten: die 5 Schritte
Der Ablauf basiert auf dem JTL-Guide und unseren Erkenntnissen aus laufenden Einrichtungsprojekten. Er gilt für JTL Wawi ab Version 1.11.
Wawi-Version und Vorlagen-Generation prüfen (vor der Einrichtung)
„Zuerst sicherstellen, dass die Wawi mindestens in Version 1.11 läuft. Nur dann ist der ZUGFeRD-Reiter in den Druckvorlagen vollständig da. Danach prüfen, ob die vorhandene Rechnungsvorlage zur Ausgabe 2.0 gehört. Erkennbar an englischen Variablen (z.B. ‚Report.InvoiceNumber‘) und der fehlenden Endung ‚(veraltet)‘. Wenn die Vorlage aus einer älteren Wawi-Version stammt, jetzt eine neue Vorlage anlegen und die alte als Basis importieren — so empfiehlt es der JTL-Guide.“
Druckvorlage: ZUGFeRD-Reiter öffnen und XML-Vorlage prüfen
„In der Wawi auf Admin > Druck-/E-Mail-/Exportvorlagen gehen, Beleg Verkauf > Rechnung aufrufen und die Vorlage öffnen. Im Reiter ‚ZUGFeRD‘ die Standard-XML-Vorlage prüfen. Wer bei Wawi 1.11.6 nach dem Klick auf ‚Hinzufügen‘ statt einer ZUGFeRD-Vorlage nur eine ‚XRechnung 3.0 CII (UN/CEFACT)‘-Vorlage sieht, trifft auf ein bekanntes Problem. Laut Forum-Bericht aus 2026 arbeitet JTL hier noch an der sauberen Trennung. Ein Händler im JTL-Forum: ‚Jedes Mal wenn ich auf Hinzufügen klicke, wird ausschließlich eine XRechnung 3.0 CII-Vorlage angelegt.'“
E-Mail-Vorlage: PDF-Anhang-Schalter aktivieren
„Für den ZUGFeRD-Versand braucht es einen zweiten Schalter, den viele übersehen. In der E-Mail-Vorlage für Rechnungen die Option ‚Vorlage als PDF-Anhang nutzen‘ aktivieren. Erst dann erzeugt die Wawi ein Hybrid-PDF mit eingebetteter XML. Ohne diesen Schalter geht eine normale PDF ohne XML raus. Also keine gültige ZUGFeRD-Rechnung.“
Steuerkategorien und Leitweg-ID kontrollieren
„Damit die E-Rechnung sauber rauskommt, müssen die Steuerkategorie-Felder in der Druckvorlage befüllt sein. Für Standardfälle (inländischer B2B, 19% MwSt.) passt die Standardkonfiguration. Für steuerfreie Lieferungen (Export, innergemeinschaftliche Lieferung) müssen die entsprechenden Steuerart-Felder gesetzt sein. Wer Rechnungen an Behörden schickt, braucht zusätzlich die Leitweg-ID des Empfängers (Ticket WAWI-78919 — aktuell noch als Workaround über eigene Felder im Kundenstamm).“
Validierung durchführen und Fehler dokumentieren
„JTL Wawi hat im Verkauf-Menü die Funktion ‚XRechnung/ZUGFeRD validieren‘. Damit eine Testrechnung prüfen. Tauchen dabei Fehler wie ‚XMP Metadata: Version contains invalid value‘ auf, ist das der bekannte Bug WAWI-86919 — ein reines Metadaten-Problem ohne Auswirkung auf den Inhalt. Für klassische B2B-Rechnungen ohne strenge Validator-Pflicht meist unkritisch. Für Behörden-Rechnungen (XRechnung an öffentliche Auftraggeber) lohnt es sich, den Status von WAWI-86919 vor dem Versand zu prüfen.“

