
Auf einen Blick
- ✓Unsere Erfahrung: Die häufigste Ursache für einen fehlgeschlagenen Inventurstart sind offene Picklisten — prüfe diese immer als ersten Schritt, bevor du einen Inventurauftrag anlegst.
- ✓Unsere Erkenntnis: Die permanente Inventur in JTL-WMS läuft im Hintergrund automatisch — für eine steuerlich anerkannte Jahresinventur brauchst du trotzdem die Stichtagsinventur mit Differenzbuchung.
- ✓Unsere Empfehlung: Inventurbuchungen lassen sich nicht rückgängig machen — lege vor dem Buchen immer ein Datenbankbackup an und prüfe die Differenzliste gründlich.
Vlarom ist JTL Service Partner Gold. Wir begleiten Händler bei der Einführung und im laufenden Betrieb von JTL-WMS — von der ersten Lagerstruktur bis zur jährlichen Inventur. Die Inventur ist dabei einer der Prozesse, bei dem kleine Vorbereitungsfehler große Konsequenzen haben. Wir kennen die typischen Blockaden aus der Praxis und wissen, was zu tun ist, wenn der Inventurstart scheitert oder MDE-Geräte keine Artikel anzeigen.
Warum JTL-WMS die Inventur grundlegend anders macht als das Standardlager
Das Standardlager in JTL-Wawi kennt keine Lagerplatzverwaltung. Jede Inventur bedeutet dort: alle Artikel zählen, alle Bestände manuell einpflegen, Differenzen buchen. Mit JTL-WMS ändert sich das grundlegend. Trotzdem machen viele Händler beim Jahresabschluss dieselben Fehler wie ohne WMS.
Quelle: eigene Auswertung aus WMS-Einführungsprojekten und WMS-Support-Tickets 2023–2025.
Was wir aus der Praxis wissen:
- →Permanente Inventur ist kein Ersatz für die Jahresinventur: JTL-WMS führt intern eine permanente Inventur durch: Das System weiß jederzeit, welche Menge auf welchem Platz liegt, und korrigiert bei Kommissionierfehlern direkt. Das ist hilfreich, ersetzt aber nicht die steuerlich notwendige Stichtagsinventur. Der Steuerberater braucht eine dokumentierte Zählung mit Soll-Ist-Abgleich und Buchungsnachweis.
- →Fehlstart durch offene Picklisten ist ein Standardproblem: Laut offizieller JTL-Dokumentation dürfen beim Start einer Stichtagsinventur keine offenen Picklisten im Inventurbereich vorhanden sein. In der Praxis wird dieser Schritt regelmäßig übersprungen, mit dem Ergebnis, dass die Inventur entweder nicht startet oder während des Zählens Bewegungen entstehen, die das Ergebnis verfälschen. Ein Händler im JTL-Forum: ‚Wir hatten noch eine offene Pickliste und konnten die Inventur nicht abschließen. Das fiel uns erst nach zwei Stunden Zählen auf.‘
- →Gebuchte Differenzen sind unwiderruflich: Die JTL-Dokumentation macht das explizit: ‚Falls einmal die Inventurbuchung bestätigt wurde, lässt sie sich nicht mehr rückgängig machen.‘ Wer die Differenzliste nicht gründlich prüft und zu früh auf Buchen klickt, schreibt falsche Bestände in die Datenbank. Ohne Datenbankkorrektur kommt man da nicht mehr raus.
Der wesentliche Unterschied gegenüber dem Standardlager: JTL-WMS hat die bessere Datenbasis für eine schnelle Inventur. Das Risiko liegt eben jetzt beim Prozess, nicht mehr bei der Dateneingabe.
Die häufigsten Fehler bei der JTL-WMS Inventur
Wir sehen bei WMS-Inventuren dieselben Fehler immer wieder. Vier davon betreffen direkt den Inventurstart oder den Abschluss. Alle lassen sich im Vorfeld vermeiden.
Was bei der WMS-Inventur hilft — und was du besser lässt
Die Lektion
Unsere Erkenntnis aus WMS-Projekten: Die größte Zeitersparnis bei der Jahresinventur entsteht durch die Vorbereitung, nicht durch den Zählvorgang selbst. Wer vor dem Inventurstart alle offenen Picks abschließt, die Lagerplatzübersicht nach gesperrten Plätzen durchgeht und die Inventuraufträge nach Lagerzonen aufteilt, reduziert die Gesamtzeit der Inventur erheblich — weil Nacharbeiten wegfallen.
JTL-WMS Jahresinventur durchführen: Schritt für Schritt
Die folgende Anleitung gilt für die Stichtagsinventur in JTL-WMS mit MDE-Unterstützung. Alle Schritte setzen JTL-WMS ab Version 1.6 voraus. Die vollständige Dokumentation zur WMS-Inventur findest du in der offiziellen JTL-Dokumentation unter guide.jtl-software.com/jtl-wms/interne-prozesse/. Lege vor dem Buchungsschritt immer ein Backup der eazybusiness-Datenbank an — Inventurbuchungen lassen sich nicht rückgängig machen.
Voraussetzungen prüfen: Picks abschließen, Lagerplätze kontrollieren
Öffne im JTL-WMS Desktop den Bereich Warenausgang und stelle sicher, dass alle Picklisten im Inventurbereich abgeschlossen oder gelöscht sind. Prüfe danach unter Intern > Lagerplatzübersicht, welche Plätze den Status ‚gesperrt‘ oder ‚reserviert‘ tragen. Gesperrte Plätze können in die Inventur aufgenommen werden, sollten aber als solche in der Differenzliste erkennbar sein. MDE-Geräte: Stelle sicher, dass alle Geräte mit dem WMS-Server verbunden sind und der Benutzer das Recht ‚Inventur durchführen‘ hat. Wenn du dir beim Vorgehen bei gesperrten Lagerplätzen unsicher bist, wende dich an einen JTL Service Partner.
Inventurauftrag anlegen und Lagerplätze zuweisen
Öffne im JTL-WMS Desktop Intern > Inventur > Neue Inventur. Wähle aus der linken Liste die Lagerplätze aus, die in dieser Inventur gezählt werden sollen, und verschiebe sie in die rechte Liste. Nutze die Filterfunktionen (Von/Nach Platz, Platzbereich, Warengruppe), um zusammenhängende Lagerzonen als eigenen Inventurauftrag zu bündeln. Das verhindert, dass sich parallele Zählungen gegenseitig überschreiben. Gib einen beschreibenden Kommentar ein (z.B. ‚Jahresinventur 2025 — Gang A-C‘). Weise den Inventurauftrag den zuständigen Mitarbeitern oder MDE-Geräten zu.
Zählung am MDE-Gerät durchführen
Öffne JTL-WMS Mobile auf dem MDE-Gerät oder Tablet. Tippe im Burger-Menü auf ‚Inventur‘ und wähle den angelegten Inventurauftrag aus. Das System führt den Mitarbeiter wegeoptimiert zu jedem Lagerplatz in der richtigen Reihenfolge. An jedem Platz: Artikel scannen (EAN oder Artikelnummer), Ist-Menge eingeben und mit ‚Artikel bestätigen‘ abschließen. Bei Artikeln mit MHD, Charge oder Seriennummer: diese separat erfassen, das System fragt danach. Lagerplatz mit ‚Zählvorgang abschließen‘ fertigstellen, wenn alle Artikel an diesem Platz gezählt sind. Wichtig: Der Scan-Fehler wird nicht sofort gemeldet, sondern erst beim abschließenden Bestätigen. Nach jeder Eingabe kurz prüfen.
Differenzliste prüfen und Backup anlegen
Öffne nach Abschluss aller MDE-Zählungen den Inventurauftrag im JTL-WMS Desktop. Setze den Filter auf ‚Einschränkung auf Differenzen‘, so siehst du nur die Positionen, bei denen Soll-Menge und Ist-Menge voneinander abweichen. Prüfe jede Differenz bevor du buchst: Große Abweichungen (mehr als 10 %) deuten oft auf Zähl- oder Eingabefehler hin, nicht auf echte Bestandsdifferenzen. Korrigiere auffällige Positionen im Desktop-System, bevor du den Buchungsschritt ausführst. Lege direkt vor dem Buchungsschritt ein Datenbankbackup der eazybusiness-Datenbank an. Das lässt sich via SQL Server Management Studio oder über die Systemverwaltung in JTL-Wawi erledigen. Detaillierte Hinweise zur Backup-Strategie gibt es unter guide.jtl-software.com/jtl-wms/.
Inventur buchen und Ergebnis verifizieren
Klicke im Inventurdetailfenster auf ‚Buchen‘ und bestätige die Abfrage. Das System zeigt dir an, wie viele Artikel ein- und ausgebucht werden. Nach der Buchung: Prüfe den Bestand der auffälligsten Artikel sowohl in JTL-WMS als auch in JTL-Wawi und stelle sicher, dass die Werte übereinstimmen. Öffne die Bewegungshistorie eines Testartikels und verifiziere, dass die Inventurbuchung dort mit korrektem Zeitstempel und Menge eingetragen ist. Wenn die Differenz nach dem Buchen immer noch nicht stimmt oder Wawi und WMS weiterhin abweichen, ziehe einen JTL Service Partner hinzu. Blinde Nachkorrekturen ohne Diagnose verschlimmern das Problem.

