
Auf einen Blick
- ✓Staffelpreise greifen mengenabhängig pro Kundengruppe und sind dauerhaft, Sonderpreise sind zeitlich oder bestandsbezogen befristet — wer beide kombiniert, muss die Prioritätsregel kennen, sonst laufen Preisaktionen ins Leere.
- ✓Ab JTL-Wawi 1.8.8.0 haben kundenindividuelle Preise immer Vorrang, auch wenn sie höher sind als ein laufender Sonderpreis — das ist kein Fehler der Software, das ist Design, und es betrifft jeden Händler der B2B-Konditionen und Endkunden-Aktionen parallel betreibt.
- ✓Vlarom E-Commerce Agentur setzt diese drei Preismodelle regelmäßig für B2B-Händler auf: Mengenstaffeln für Stammkunden, saisonale Aktionen für den Endkundenbereich, Festkonditionen für Schlüsselaccounts mit Rahmenvertrag.
Vlarom E-Commerce Agentur ist JTL Service Partner Gold mit Standort in Ahrensfelde bei Berlin. Inhaber Alexander Luft und sein Team richten regelmäßig komplexe Preisstrukturen ein: von einfachen Mengenrabatten bis zu mehrstufigen B2B-Konditionensystemen mit unterschiedlichen Kundengruppen, zeitgesteuerten Aktionen und individuellen Jahreskonditionen für Großabnehmer. Das häufigste Problem das wir dabei sehen: Die drei Preismodelle werden verwechselt oder falsch kombiniert, und die Prioritätsregel bleibt unbekannt bis der erste Fehler auffällt. Dieser Beitrag klärt das systematisch.
JTL-Wawi Staffelpreise einrichten: Der Action-Plan für alle drei Preismodelle
Fünf Schritte, alle drei Preismodelle, von der Einrichtung bis zur Konsistenzprüfung. Du kannst direkt zu dem Schritt springen den du brauchst, oder den gesamten Ablauf für ein neues B2B-Preissystem der Reihe nach durchgehen. Alle Angaben beziehen sich auf JTL-Wawi ab Version 1.8.
Staffelpreise (Schritt 1) gelten dauerhaft nach Menge und Kundengruppe. Sonderpreise (Schritt 2) enden automatisch per Datum oder Bestandsgrenze. Kundenindividuelle Preise (Schritt 3) bilden fest verhandelte Konditionen ab, die unabhängig von Gruppenregeln gelten. Schritt 4 klärt was bei Überschneidungen passiert. Das ist die Stelle die in der Praxis am häufigsten für Überraschungen sorgt.
Wer Kundengruppen konsequent nutzt, muss keine manuellen Rabatte nachträglich korrigieren und spart sich wiederkehrende Rückfragen von Kunden warum der Preis nicht stimmt. JTL-Wawi ist für genau diesen B2B-Fall ausgelegt: Mengenstaffel, Zeitaktion und Individualkondition gleichzeitig, granular steuerbar pro Artikel und Gruppe.
Staffelpreise pro Kundengruppe einrichten (Mengenrabatte)
Öffne den Artikel per Doppelklick in der Artikelverwaltung und wechsle zum Bereich Preise. Wähle zuerst die Kundengruppe aus, für die du die Staffel anlegen willst — das ist der Schritt den die meisten überspringen. Klicke dann auf ‚Kundengruppen- und Staffelpreise bearbeiten‘. Im Dialog wählst du die Eingabeart: ‚Festpreis‘ bedeutet du trägst Brutto-VK und Ab-Menge direkt ein, ‚Automatische Berechnung‘ bedeutet du gibst einen Prozentrabatt an und die Wawi errechnet den Preis aus dem Standard-VK. Lege so viele Staffeln an wie du brauchst, jeweils über ‚Anlegen‘. Die rosa unterlegten Felder sind Pflichtfelder. Der häufigste Fehler dabei: Die Kundengruppe steht noch auf Standard statt auf die tatsächliche B2B-Gruppe umgestellt zu sein. Dann greift die Staffel entweder für alle oder für niemanden. Vollständige Dokumentation auf dem offiziellen JTL-Guide: Staffelpreise einrichten.
Sonderpreise einrichten für zeitlich oder bestandsbezogen begrenzte Aktionen
Öffne den Artikel und wechsle zur Registerkarte ‚Sonderpreise‘. Aktiviere ‚Sonderpreise aktivieren‘ und trage ein Startdatum ein. Dann entscheidest du wie der Sonderpreis enden soll. Zwei Varianten stehen zur Wahl: nach einem festen Enddatum, oder wenn der Lagerbestand unter einen definierten Schwellwert fällt. Bei der Bestandsvariante gibt es eine wichtige Eigenheit: Der Sonderpreis reaktiviert sich automatisch wenn bei einem Wareneingang der Bestand wieder über den Schwellwert steigt. Sonderpreise lassen sich auf einzelne Kundengruppen und Onlineshops beschränken, du kannst also einen Endkunden-Aktionspreis einrichten der für Wiederverkäufer nicht sichtbar ist. Nach dem Speichern muss ein Shopabgleich laufen damit der Preis im Shop angezeigt wird. Ohne Abgleich passiert im Shop nichts. Mehr dazu im offiziellen JTL-Guide: Sonderpreise einrichten.
Kundenindividuelle Preise einrichten für Festkonditionen pro Kunde
Öffne den Artikel, gehe zu Preise und wechsle zum Reiter ‚Kunden‘. Über ‚Kunden: Hinzufügen‘ suchst du den Kunden und markierst ihn. In der Spalte ‚Indiv. VK-Brutto‘ doppelklickst du und trägst den vereinbarten Preis ein. Willst du für diesen Kunden zusätzlich Mengenrabatte hinterlegen, markierst du ihn und klickst auf ‚Kundenindiv. Preise bearbeiten‘. Dort legst du im Dialog unter Staffelpreise die Mengenstaffeln an. Das lässt sich also kombinieren: ein fester Basispreis für den Kunden, plus eine Mengenstaffel darüber. Dieser Ansatz eignet sich für Schlüsselkunden mit Jahreskonditionen, etwa Sportvereine, Wiederverkäufer mit Rahmenvertrag oder Großabnehmer im Lebensmittelbereich. Für JTL-Shop gilt: Mindestens Version 4.05 ist Voraussetzung damit kundenindividuelle Preise korrekt im Shop angezeigt werden.
Die Prioritätsregel verstehen: welcher Preis gewinnt bei Überschneidungen?
Hier liegt der häufigste Irrtum den wir bei Kunden sehen. Ab JTL-Wawi 1.8.8.0 gilt: Kundenindividuelle Preise haben immer Vorrang, auch wenn sie höher sind als ein laufender Sonderpreis. Das ist kein Bug, das ist bewusstes Design. Hintergrund: Wenn du mit einem Kunden 4,80 Euro fest vereinbart hast und ein allgemeiner Sonderpreis auf 3,90 Euro fällt, soll der Kunde trotzdem 4,80 Euro zahlen, weil das seine Vertragsgrundlage ist. Willst du einen Kunden an einer Aktion teilnehmen lassen, musst du seinen kundenindividuellen Preis für die Aktionsdauer anpassen oder löschen. Ein Händler im JTL-Forum beschrieb genau das als wiederkehrendes Problem bei Weihnachtsaktionen: ‚Unsere VIP-Kunden bekamen den Rabatt nie, weil wir vergessen hatten die Individualpreise auszutragen.‘ Prüfe diese Logik deshalb vor jeder größeren Preisaktion.
Konsistenz prüfen, Shopabgleich ausführen und testen
Nach dem Einrichten aller Preismodelle öffnest du einen betroffenen Artikel und prüfst die Preisübersicht in den Stammdaten. Stimmen Staffeln, Kundengruppen-Zuordnung und eventuelle Sonderpreise in der Zusammenschau? Dann Shopabgleich starten. Für B2B-Setups mit mehreren hundert Artikeln und kundenindividuellen Preisen lohnt sich ein systematischer Testlauf mit einem Testkunden und echten Bestellmengen, bevor du die Konfiguration auf alle Kunden ausrollst. Lege einen Testkunden in jeder relevanten Kundengruppe an, platziere Testbestellungen mit verschiedenen Mengen und prüfe ob der angezeigte Preis dem entspricht was du eingerichtet hast. Dieser Schritt spart Reklamationen und Verwirrung bei deinen Geschäftskunden. Bei komplexen B2B-Setups begleiten wir den Testlauf und prüfen die Preislogik systematisch vor dem Go-live.

